Ängste - Angsterkrankung - Panikstörung



Es tobt ein Sturm.

Böen aus Splittern

peitschen in mein Bewusstsein,

schürfen das Vertrauen blutig.

Platzregen

hat die Illusion Sicherheit weggewaschen.

Zurück bleibt Betonwüste.

Kein Strauch zum Verstecken.

Kein Schutz gegen die Augen,

die Macht der Scharfschützen.

Was nützen mir Waffen,

wo ich doch ohne Hände bin?

 

 

Bei vielentraumatisierten Menschen ist die Angst so allgegenwärtig, dass sie kaumzu sagen vermögen, wo die Angst beginnt, wo sie aufhört und was ihreAuswirkungen sind. Dass die Angst existiert ist leichtnachzuvollziehen, wenn man bedenkt, dass grade bei DIS-PatienInnen einesehr frühe, in der Regel wiederholte Traumatisierung stattgefunden hat.Die normale Entwicklung eines Säuglings und Kleinkindes führt über eineabsolut zuverlässige und sichere Bindung zur Mutter zu einemgrundlegenden Vertrauen in die Welt. Man nennt dieses grundlegendeGefühl Urvertrauen. Störungen dieser frühen Bindung, wie in zahlreichenStudien nachgewiesen werden konnte, führen zu ambivalentem odermisstrauischem Urteil über die Welt und das Leben auf ihr.

Dadas Erinnerungsvermögen erst später einsetzt, kann ich über dietatsächliche Bindung zu meiner Mutter nur spekulieren. Die erstenErinnerungen die da sind, erzählen von einer großen seelischen undkörperlichen Abneigung gegen meine Mutter. Ich mochte sie nichtberühren.

Eine weitere Entwicklung des ersten Lebensjahres istdie Entstehung der Objektpermanenz. Jean Piaget, ein  französischerEntwicklungspsychologe, hat dieses Konzept erstmals vorgestellt. DasKind sieht zunächst einen Gegenstand nur als solchen, wenn mit ihm eineHandlung auszuführen ist. Der Gegenstand, beispielsweise eine Rassel,ist ein Handlungsobjekt weil man mit ihm spielen und lustige Geräuscheerzeugen kann. Später genügt es den Gegenstand wahrzunehmen. Er ist inder Welt vorhanden weil und solange das Kind ihn sehen kann.Objektpermanenz bezeichnet nun das Gegenstandskonzept das verstehtdass Gegenstände aus sich heraus bestehen und nicht in dem Moment desWahrnehmens erschaffen werden. Das Kind weiß nun dass die Rassel auchda ist wenn sie nicht zu sehen ist, und es kann angemessen nach ihrsuchen, weil sie ja irgendwo sein muss.
Die Objektpermamenz ist die Grundlage dessen dass Menschen die Welt als einen sicheren und vorhersehbaren Ort erleben.

MeineÄngste sind oft dergestalt dass sie auf fehlende Objektpermanenzhindeuten. Ich befürchte wenn Freunde sich nicht melden dass sie totsein könnten.
Ich erstarre in dem Moment wo unser Partner dieWohnung verlässt um zur Arbeit zu gehen. Mails von ihm beruhigen mich nursehr kurzfristig.
Ich bekomme am Abend und in der NachtBeklemmungen weil keine sichtbaren Zeichen von Leben auf der Straße zusehen sind. Mitten in der Nacht ist alles dunkel, still und es
fahren keine Autos . Meine Angst äußert die Befürchtung dass der Grund dafür seinkönnte dass ich der einzige überlebende Mensch auf Erden bin.

FrüheTraumata beeinflussen die Fähigkeit Emotionen zu regulieren. Der Teildes Gehirns der bei der Stressbewältigung wichtig ist, derHippocampus, ist beim Kind noch nicht ausgereift. Bei Stress wird einHormon ausgeschüttet, das Cortisol. Ab einer kritischen Konzentrationkommt es zu einem Neuronensterben im Hippocampus. Bei einem chronischgestressten Kind wäre seine Reifung massiv behindert. Da nur einausgereifter Hippocampus bei Stress gegenregulieren kann, hat das Kindalso von vorneherein schlechte Chancen.

Selbstberuhigung kannaber auch  durch Systemkonditionierung gelernt werden. Wenn das Kindseine Angst oder ähnliches ausdrückt und dann in angemessener Weise zurrechten Zeit getröstet wird, wird die Konfiguration zwischen Selbst undden affektmodulierenden Systemen im Gehirn verstärkt. Das Kind wird,nachdem es dies gelernt hat, in Zukunft selbst in der Lage sein sichzu beruhigen.

Für alle, die wie wir die Selbstberuhigung nichtals Kinder lernen durften, besteht Grund zur Hoffnung.Systemkonditionierung funktioniert auch später im Leben noch genau so. Wennalso der/die TherapeutIn in angemessener empathischer Weise Trostspendet und damit eine Regulierung der Emotionen, beispielsweise einenRückgang der Angst, erreicht, dann kann das auch dazu führen dassder/die KlientIn die Fähigkeit erwirbt sich selbst zu trösten und zuberuhigen.

(vgl.: J. Kuhl: Motivation und Persönlichkeit)