Innenräume
 
Auch wenn es möglicherweise nicht allen im System bekannt ist, gibt es immer schon einen Innenraum in dem die Personen, Seelen, Leute leben. Meist ist das zu Beginn der Therapie ein unwirtlicher Ort. Bei uns gab es anfangs große Gegenwehr als unser Therapeut vorschlug am Innenraum der bei uns "Das Land" heißt zu arbeiten. Die Täter sorgen meist schon dafür dass das Gefühl besteht verrückt zu sein deshalb ist es eine große Herausforderung die Existenz des Innenraums als kreative Leistung zu sehen anstatt als Ausgeburt des Verrücktseins.

Der Innenraum ist genau so real wie die euch umgebende Außenwelt. Möglicherweise kommt dem Innenraum sogar eine größerer Bedeutung zu, denn während eine Person außen ist sind alle anderen innen. Ihr seht es hilft nicht den Kopf in den Sand zu stecken. Dieser Innenraum gehört euch und ihr habt das Recht ihn euch so zu bauen wie er gut für euch ist.
Wir werden beschreiben wie unser "Land" beschaffen war als wir die Arbeit begonnen haben, auf welche Herausforderungen wir gestoßen sind und wie wir versucht haben alles in eine gute Richtung wachsen zu lassen.

Die Person von uns die als erste nach therapeutischer Hilfe suchte hatte keine Information über "Das Land". Ihr ging viel Zeit verloren aber sie hatte an die Stunden die ein anderer außen gelebt hatte keine Erinnerung. So wie manche Innenpersonen an das Außenleben herangeführt werden mussten, musste sie lernen die Innenwelt wahrzunehmen. Es gelang nachdem sie schriftlich mit anderen Personen in Kontakt getreten war und es ihr auch glückte die anderen im Körper als Stimmen wahrzunehmen.

Das Land war grau und hässlich. Es gab einen großen Graben der einen Teil vom anderen trennte. Es gab Scharen von "Kriegskindern", graue und halb verhungerte Personen denen es sichtlich schlecht ging.
Für jedes erkannte Problem gibt es bei uns eine Art Ausschreibung auf die hin sich jeder der glaubt dessen Herr werden zu können melden kann und seine Hilfe anbieten. Für die Kriegskinder haben wir Essen bereitgestellt, unsere Kleinen haben bunte Kleider entworfen damit sie nicht weiter in ihren Lumpen frieren mussten und wir haben uns als Ziel gesetzt dass einmal jede Person im System einen Sicheren Ort haben soll an den sie sich zurückziehen kann wenn sie es braucht.

Die Entwicklung eines Sicheren Ortes ist eine Lebensaufgabe. Dennoch ist es falsch den Mut sinken zu lassen, es ist mit regelmäßigem Training bald möglich einen "vorläufigen Sicheren Ort" zu etablieren der dann im Laufe der Zeit immer weiter ausgebaut wird. Es ist günstig das Projekt als Baustelle zu begreifen weil einen das vor zu großen Enttäuschungen bewahrt. Für jemanden der Sicherheit niemals kennenlernen durfte ist es wirklich schwierig etwas sicheres zu imaginieren. Es ist vielmehr ein Annäherungsprozess.

Uns hat der Gedanke oft geholfen dass in unserem Land unsere Gesetze gelten. Im Außenleben sind wir sehr "verkopft", wir glauben an Naturgesetze und an alles was schön zu beweisen ist. Aber innen darf es ganz anders sein. Deshalb haben wir unser Sicherheitsproblem immerwieder damit in Schach gehalten dass wir Wächter erschaffen haben die über ganz außergewöhnliche Fähigkeiten verfügen. Ein Wächter kann beispielsweise ins Herz eines jeden sehen der an seine Pforte tritt. Das ist sehr nützlich. Und wenn wir feststellen dass ihm noch etwas fehlt was er braucht um alle Schutzsuchenden zu bewachen, dann bekommt er eben diese Fähigkeit noch dazu.

Selbst wenn die Außenwelt immer wieder Enttäuschungen bereithält so gilt für die Innenwelt eindeutig:

"Wünschen hilft!"