1995

Manchmal

einfach so

ein kleines Lächeln

Wärme nur für mich

schön

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Umbruch

komische Stimmung

ich mitten drin

Zukunft um mich herum

Mut

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An Alle!

Sag mir, Du, wer stahl deinen Traum

von der heilen Welt mit viel, viel Raum

für alle Menschen, die auf ihr leben.

Wer kann dir neue Träume geben?

 

Du, ich seh Deine Seele weint,

wer hat dich so schrecklich verletzt?

Ich möchte trösten, doch es scheint,

dass du nicht auf Zukunft setzt.

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Fetzen '95

Krank

Schmerz krümmt

die zerfressene Seele

und das junge Leben

veraltet

zugedeckt

alte Hoffnung

tagtäglich lebendige Qual

lebensgepeinigt Seele und Körper

zeitlos

 

Nachtschwarz

Trauer würgt

der Atem stockt

meine Kleinheit kettet mich

Ewigkeitsklänge

 

Stille

dieses Kind

diese schreckliche Stille

beweint lautlos die Stille

Brandgeruch

 

Gefangen

ich rechne

lasse mich kaufen

Feigheit zahlt sich aus

stündlich

 

Horchend

Tränen laufen

hohle Stille draußen

ja, selbst das Echo

verkauft

 

Gesang

ein Vogel

die Melodie tröpfelt

entlang der Gitterstäbe

hinaus

 

S.O.S.

jemand da?

hier bin ich

komm und finde mich

schnell

 

Universum

zu groß

bin zu klein

für solche großen Dinge

noch

 

ich

mal wieder

mit mir allein

und mit meiner Sehnsucht

Hallo?

 

Selbstmord

zuviel

darauf herumgehackt

zu tief verletzt

wieder eine vernarbte Seele

weggenommen

 

Ertappt

ein Lächeln

in der Stadt

ein Gesicht hat nicht

weggeschaut

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Kalter Schauer Einsamkeit

frisst sich durch die Gehirnwindungen

und vermag doch,

die Tränen aufzutauen,

die tagelang eiskalt meine Seele umgaben.

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Tagtäglich

Triefende Tritte treffen tief

teilweise tödlich.

Teilnahmslosigkeit

Tanze Tochter, tanze trotzdem!

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Silber

schimmernde Pracht

der Schwan schwebt

Sonnenlicht spielt im Gefieder

wozu?

Silber

Silhouette Block A

dominant und drängend

ich will hier weg

Angst

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Pfingsten

Stimmengewirr

man lauscht

immer noch Lärm

krankmachendes Unverständnis

Einsturz

Dann ein Menschenwunder

Liebeskommunikation bricht Bahnen

unsichtbare Drähte von Herz zu Herz

Krusten bersten

Blick in die Seele

tiefer Friede

schwimmt nicht nur

an der Oberfläche

wortlos

ein Stück Pfingsten

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01.1996

Du

für mich

bist du die halbe Welt

ich möchte

schönere Worte finden,

die schönsten grade gut genug

für dich

Doch

ich stehe sprachlos vor solchen Gefühlen

schau mich an

und du wirst wissen

was ich meine

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26.10.97

Dreh' dich nicht um,

schau nicht zweimal hin.

Meine Kraft reicht grade noch

für ein Lächeln

und eine unverbindliche Antwort

"Geht klar, ich mach das schon."

Dreh' dich nicht um,

du wirst mich schwanken sehen.

Schau nicht zweimal hin,

mein Blick schreit nach dir.

Ich drehe mich um

und träume

von dir

und deinem warmen Zuhause.

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Liebes Gedicht!

alle denken,

du bist ein Liebesbrief.

Woran sonst schreibt jemand,

der heulend im Zug sitzt.

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Einsamkeit,

die von der heftigsten Sorte,

frisst sich durch meinen Mageninhalt,

wühlt sich durch meine Gedärme

und vergisst nicht, bevor sie geht,

meine Kehle zu blockieren.

Und ich ersticke

jeden Tag ein Stückchen mehr.

"Und weiter?",

spricht der wortgewandte Alte,

"Wir alle haben unser Bündel zu tragen."

Schmatzend vertilgt die Atmosphäre

das letzte Quentchen Sauerstoff.

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Nun bist du weg,

und mit dir

meine halbe Welt.

Der Rest eiert jämmerlich!

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27.10.1997

Nimm deine eisige Hand

aus meinem Nacken,

kaltes Deutschland,

mir graut vor dir.

Deine Kinder verwandelst du

in geistlose graue Schattenwesen,

hauchst ihnen Kälte ein,

kaltes Deutschland.

Lass mich frei

aus deiner frostigen Umarmung,

ich will nicht erfrieren.

Du frierst Kontakte ein,

Gespräche lässt du vereisen.

Ich fliehe mit kalten Füßen.

Deutschland,

mir graut vor dir!

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28.12.1997

Schön

wenn du und ich

uns zu einem wir zusammenkuscheln

du meine Sorgen

für einen Augenblick

einfach wegwuschelst

und ich weiß

dass ich deiner warmen Umarmung

trauen darf

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kalt war's draußen,

fürchterlich kalt,

als sie zu Scharen

an mir vorüber hasteten

nur ein Penner

wollte ein paar Groschen

ich zog meinen Schal

dichter um mich

dass er mich wärmen sollte

doch

er bot keinen Schutz

gegen die pöbelnde Meute

kalt war's

fürchterlich kalt

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Erst jetzt

wo ich dich gefunden habe

platzt die Sehnsucht in mein Leben

und ich höre nie mehr auf

dich zu suchen

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16.04.1998

Sollte ich euch doch

vor der Zeit verlassen

trauert nicht

freut euch für mich

so bin ich der Welt entronnen

die viel Schweres bereithielt

die blutrote Angst

die Enge der grauen Städte

die Napalmgedanken in Politikergehirnen

ich habe etwas verloren

die Möwe Freiheit

die auch bei Sturm

so unverzagt kreischt

ohne sie bin ich verloren

mein Kerker ist überall

wie ein Schneckenhaus

trage ich ihn

bis ans Ende der Welt

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09.1998

Am Ende

Ein Nichts vor Augen

in mir gähnende Leere

keine Verheißung mehr

eisiges Schweigen um mich

kein Vertrauen im Herzen

ein lautloses 'Warum'

zerfetzt die letzte Zuversicht

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Ich wurde nicht im Krieg

von einer Kugel getroffen

Ich bin nicht

bei der letzten großen Sturmflut ersoffen

Kein Auto, das ich fuhr

hat sich je überschlagen

Ich trinke rauche kiffe nicht

das würde ich nie wagen

Hatte immer gute Chancen

darum versteh ich es nicht

Ich bin tot

Sie hab'n mich doch erwischt

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Ich habe Schreie im Kopf,

lauter als die lieben Worte,

die du mir zuraunst.

Ich hab 'nen Fels auf dem Herzen,

tausenfach schwerer als die rosa Wolke,

auf die du mich manchmal hebst.

Ich hab' Narben außen und innen,

tiefer als mein Vertrauen in mich,

dass ich so oft enttäuscht habe.

Ich hab' kalte Füße und 'ne kalte Seele,

kälter als deine warmen Hände,

die mich berühren.

Ich bin Angst,

realer als die Zuversicht,

die ich gerne wäre.

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8.11.1998

Zartbitter schmeckt dein Kuss,

der mich zurückließ

mit einer feuchten Stelle und diesem lila Gefühl.

Zartbitter riecht die Luft,

der Atem des Novembers

aus reifbesetzter Kehle.

Zartbitter ist selbst der Blick deiner Augen,

die wie ich in ungewisse Zukunft sehen.

Zartbitter fühle ich mein Leben,

mit dicker Dämmschicht

für Schmerz und Freude.

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17.12.1998

Wenn die Herdfeuer heruntergebrannt,

die Lampen erloschen sind,

schließe deine Augen

und lasse dich auf den ein,

der dir deine eigene Wärme

und dein Licht

ins Bewusstsein rückt.

In deiner Seele

keime die Hoffnung

auf ein bewohntes Morgen.

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20.12.1998

Es ist nicht die Scheiße,

klebrig, wie Teer auf nackter Haut,

die uns umbringt;

nicht die Einsamkeit,

die jeden einfängt,

menschenseelenallein

verschanzt in seinen Elendsvierteln.

Die Sehnsucht ist's, die uns den Todesstoß versetzt,

die tote Augen dazu bringt,

mit feuchtem Blick

nach den Sternen zu greifen.

Sie ist es,

die ihren brennenden Pfeil

in die Herzen bohrt.

Erst die Sehnsucht

nach Leben in Fülle

lässt uns an der saugenden Leere sterben.

Eine Menschenhülle

lebt noch einige Jahre,

saugt letzte Energie aus der Mitte,

kämpft gegen das Verdursten

in der Sturmflut

und schließt endlich

sterbend die Augen.

Hoffentlich

sind kaputte Seelen

vergänglich.

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In diesen Tagen

dann

macht der Seelensturm

mir bewusst

Wurzeln fehlen

Sehnsucht

nach einem Mutterschoß

Sehnsucht

nach meines Vaters Hand

doch ich stürze

alleine

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5.01.1999

Geboren

Geborgen

Gelebt

Erlebt

Erledigt

Erleuchtet

Durchleuchtet

Durchlebt

Abgelebt

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24.01.1999

Willkommen

im Reich

der abgestellten Seelen.

Wir atmen den Mief

aus Achtlosigkeit.

Stupide hämmern die Sekunden

durch die Gänge

durchkreuzt von Schreien

derer, die nicht klein beigeben,

der ganz Verrückten.

Leises Weinen plätschert

vorüber an den Metallspinden.

Sie bergen Hab und Gut eines jeden,

Kleidung, Essen, Seife.

Ein müdes Glück ist das,

die große Sehnsucht

ist mit Tabletten betäubt.

Ein neues Leben,

ein Königreich für ein neues Leben!

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25.02.99

Hoffnung

Ich habe eine Ahnung,

 wie ein Bissen Apfel schmeckt,

wenn ich genießerisch hineinbeiße.

Ich habe eine Sehnsucht

nach einem Leben

mit Höhen und Tiefen.

Ich habe eine Meinung,

die ich vertreten will,

um für mich und mein Leben einzustehn.

Ich habe eine Sucht,

deren Bewegungen ich Aufmerksamkeit zolle,

damit sie mich nicht mitreißt.

Ich habe Hoffnung.

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Eine Schöpfungsgeschichte

Am sechsten Tag,

als Gott geblendet war

vom gleißenden Licht der Sonne,

eingehüllt, in das lähmende Dunkel,

als der Rosenduft

seine Sinne betörte

und hechelnde, glückliche Hündchen

seine Finger leckten,

kam ihm ein großer Gedanke.

Genie und Wahnsinn

ungeboren

reichten sich die Hand.

Er formte

das Wesen

nach seinem Bilde,

überschrieb ihm das Erbe

und sah zu

wie alles

im Sumpf versank.

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10.03.1999

Meine Wurzeln ziehen Gift.

Ich schnappe nach Smog.

Totentanz der Lebewesen

zum Kreischgesang der Sägen

die Atem beschneiden.

Pulsschlag der Welt

kaum mehr fühlbar.

Aus der Bahn geraten,

Verfallsdatum überschritten.

Erde wie Mensch

Eigendrehung

Schwindelnde Übelkeit

Drängender Wunsch

nach dunkelblau

jenseitiger Grabesruhe

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Das Leben an sich ist eine Sammlungunzähliger schlechter Kurzgeschichten, deren Protagonisten daranzerbrechen, endliche Wesen zu sein, die in jedem Beginn das nahe Endeschon deutlich spüren. Die Welt ist daher ein Haufen von Zweiflern undVerzweifelten, die auf tausenderlei Arten den Schmerz über ihrgemeinsames Schicksal betäuben.

Einer davon bin ich, und ichbetrachte es auch in lichteren Momenten als ausgesprochen schlechteIdee, durch die Liebe meiner Eltern auf diesen Weg gesandt zu sein.

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2.05.1999

Ich bin

Das Kind

Mit den tausend Augen

Deren stumme Frage

Gedärme durchwühlt

Blaue Bergseen

Schwarze Löcher

Bodenlose Frechheit

Abgrundtiefe Trauer

Trotzig biete ich

Die Stirne

Zum Kampf

Ich bin

Mein Verderben

Und

Meine Rettung

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In meiner Brust

pocht das Herz eines Großwildjägers

der das wilde Tier töten will.

Zum Zerreissen gespannt

schläft er,

die Schuhe an den Füßen.

In meinem Kopf

wohnt sein Geist,

der wach ist und schafft.

Jede Unachtsamkeit, weiß er,

bedeutet Verletzung.

Das Tier wütet

und meine Lieben und ich

werden nie mehr sicher sein.

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Ein Kind

ist Pfeiler

der Familie

und schweigt

in allen Sprachen

der Welt

missbraucht

für alle Zwecke

der Welt

im Herzen

alle Schreie

der Welt

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25.05.1999

Nach immer

letzte Kraft investierend

in Fassadenputz,

statt Verschmutzern

Einhalt gebietend,

Unversehrtheit zu erhalten.

 

Um mich

noch immer

Sturmesheulen.

ich lausche der Taubheit,

begehe schwindelerregende Wege.

 

Unter mir

netzlose Höllenfahrt.

 

Wer bist du, Angst?

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Kannst du, Liebe, kohleschwarz,

mein Herz einstauben?

Kannst du, Hass, sengende Lava,

mein Blut segnen?

Ich brenne schutzlos

zu Staub und Asche.

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29.05.1999

augen auf

verschlafen sind wir

wirre gedanken und ich

wohlig warm

wieviele kubikliter

fasst das herze

weiß nicht

egal

gut dass du bist

herzensschöner

wieviele küsse

um dich zu bedecken

egal

werde probieren

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30.07.1999

Durch Lust und Schmerz

ins Leben geraten

vielleicht war es Liebe

durch Gänge hallt

ein Schrei

das Wesen atmet

 

Im Folgenden

hängt Smog

über der Stadt

die Ozonwerte

klettern weiter

Räume fensterlos

aber klimatisiert

 

Wer nicht atmet

schreit nicht

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8.12.2000

Überlebende

nennt man mich

und viele

wo doch so vieles

gestorben ist

die Unbefangenheit

die Ausgelassenheit

die Ausgeglichenheit

zwischen Körper und Seele

Und eben diese Seele

inszeniert ihren Tod

tagtäglich neu

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Könnte ich geboren werden

und willkommen sein auf Erden.

Dann würden Engel mich beschützen

und dies alles würde nützen

Unversehrtheit zu bewahren

und stets Gutes zu erfahren.

Bitter kommt mir in den Sinn,

dass ich schon geboren bin.

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am ende?

es ist nie zuende!

ich glaube nicht

an den tod.

an meinen nicht -

und an seinen

leider auch nicht.