Trauma,Traumatisierung und PTBS


Traumaist ein viel gebrauchter Begriff.

Diemeisten Menschen werden wohl als erstes an großeNaturkatastrophen denken, dann vielleicht an die Generation die einoder sogar zwei Kriege miterleben mussten.

EinTrauma ist also ein schreckliches Erlebnis, das einem Menschen oderTier widerfährt, und das im weiteren Leben Spuren hinterlässt.

Dochwarum traumatisiert ein Erlebnis den einen Menschen, einen anderenjedoch nicht?

Beider Traumatisierung spielt das Erlebnis natürlich eine Rolle,das persönliche Erleben spielt jedoch die größere. So lässtsich auch recht einfach erklären wieso eine früheTraumatisierung so viel mehr Auswirkungen hat als eine die in einemspäteren Lebensalter erfolgt.

Auchdie Psyche des Kindes ist noch im Wachstum. Hierbei gehenHirnreifungsprozesse (Hardware) und die stetige Erweiterung der Weltdes Erlebens (Software) Hand in Hand.

Wennnun ein einschneidendes Erlebnis auf eine nicht genügendausgereifte Verarbeitungsmaschinerie stößt, so wird siemöglicherweise Fehler machen. Eine fehlgeschlagene Verarbeitungund Speicherung als Erinnerung ist bei Traumata häufig zufinden. Die traumatischen Inhalte werden nicht in einen Kontexteingebettet sondern oftmals dissoziiert abgespeichert. Sie sind dannschwer auf dem gewohnten Wege abzurufen, man erinnert sich eventuellnicht, oder die Erinnerungen sind wirr und unscharf.

Wirdein Trauma aber aktiviert, ohne dass der Traumatisierte es möchte,ist es oft sehr vielschichtig und überwältigend in derErinnerung. Da es kein Kontext relativieren kann, ist der Betroffenezunächst hilflos ausgeliefert, und verliert in vielen Fällensogar den Realitätsbezug, weil sich das, was er da geradeerlebt, so gar nicht wie eine "normale" Erinnerung anfühlt.Diese Erinnerungsüberschwemmungen nennt man Flashbacks,angelehnt an das Wiedererleben eines Drogenrausches ohne erneutenKonsum.

TraumatherapeutischeNotfallmaßnahmen zielen oft darauf ab über die 5 Sinnewieder Kontakt zur jetzigen Umwelt zu bekommen damit ein Gefühldes "In Sicherheit Seins" entstehen kann und sich dieKörperreaktionen beruhigen.

ÜberTrauma, Traumatisierung und Traumatherapie ist bereits vielgeschrieben worden. In unseren Bücherempfehlungen befinden sichmehrere gute Bücher zum Thema.


ImRahmen unseres Studiums sind wir auf folgende interessante Studiegestoßen:


Berntsen,D., Willert, M., & Rubin, D. C. (2003). Splintered Memories orVivid Landmarks? Qualities and Organisation of Traumatic Memorieswith and Without PTSD. Applied Cognitive Psychology 17, 675-693.


Hierwird die These aufgestellt, dass alles Erlebnisse auf einer innerenLandkarte Knotenpunkte bilden, und so vernetzt sind mit Erlebnissendie als ähnlich eingestuft werden.

Einneues Erlebnis wird also immer auf der Basis bereits erlebter Dingeinterpretiert. So wird die Landkarte immer differenzierter und derMensch kann mit wachsender Lebenserfahrung schneller Situationenerfassen und adäquat handeln.

DieserKnotenpunkt-Mechanismus ist also adaptiv. Er ist nützlich, damitwir uns immer schneller und besser zurechtfinden.

DieAutoren der Studie sagen nun, dass der Mechanismus schädlicheAuswirkungen hat wenn der Mensch ein Erlebnis macht das sich weitaußerhalb der üblichen Erlebnisspanne befindet. Wäredie innere Landkarte eine Statistik, so wäre dieses einetraumatische Erlebnis ein Ausreißer der den Mittelwertdeutlich beeinflusst.

Dertraumatisierte Mensch rechnet nun in seine Wahrnehmung der Welt einErlebnis mit ein, dass er eigentlich nicht berechnen sollte. Und alleErwartungen die er aufgrund der "falschen Rechnung" bildet sindnegativ "verrutscht".

Zuallem Übel scheint die Vernetzung des Knotenpunktes "Trauma"mit den assoziierten Knotenpunkten besonders gut zu funktionieren.

Sokann es passieren, dass bereits ein an sich neutraler Geruch einheftiges Wiedererleben einer traumatischen Erinnerung hervorruft.

DieStudie untersucht ob sie Stärke der Vernetzung sowie dieIntegration des Traumas in das eigene Persönlichkeitskonzeptsich darin wiederfinden lässt ob eine traumatisierte Personeine Posttraumatische Belastungsstörung ausbildet.


PosttraumatischeBelastungsstörung
ICD-10: F 43.1

Definition:

    Die PosttraumatischeBelastungsstörung ist eine mögliche Folgereaktion einesoder mehrerer traumatischer Ereignisse (wiez.B. Erleben von körperlicher und sexualisierter Gewalt, auchin der Kindheit (so genannter sexueller Missbrauch), Vergewaltigung,gewalttätige Angriffe auf die eigene Person, Entführung,Geiselnahme, Terroranschlag, Krieg, Kriegsgefangenschaft, politischeHaft, Folterung, Gefangenschaft in einem Konzentrationslager, Natur-oder durch Menschen verursachte Katastrophen, Unfälle oder dieDiagnose einer lebensbedrohlichen Krankheit),die an der eigenen Person, aber auch an fremden Personen erlebtwerden können. In vielen Fällen kommt es zum Gefühlvon Hilflosigkeit und durch das traumatische Erleben zu einerErschütterung des Selbst- und Weltverständnisses.

    Das syndromaleStörungsbild ist geprägt durch:

    • sichaufdrängende, belastende Gedanken und Erinnerungen an dasTrauma (Intrusionen) oder Erinnerungslücken (Bilder,Alpträume, Flash-backs, partielle Amnesie),

    • Übererregungssymptome(Schlafstörungen,Schreckhaftigkeit, vermehrte Reizbarkeit, Affektintoleranz,Konzentrationsstörungen)

    • Vermeidungsverhalten(Vermeidungtraumaassoziierter Stimuli)und

    • emotionaleTaubheit (allgemeinerRückzug, Interessenverlust, innere Teilnahmslosigkeit)

    • imKindesalter teilweise veränderte Symptomausprägungen(z.B.wiederholtes Durchspielen des traumatischen Erlebens,Verhaltensauffälligkeiten, z.T. aggressive Verhaltensmuster)

    Die Symptomatik kannunmittelbar oder auch mit (z.T. mehrjähriger) Verzögerungnach dem traumatischen Geschehen auftreten (late-onset PTSD).

(FlattenG, Gast U, Hofmann A, Liebermann P, Reddemann L, Siol T, WöllerW, Petzold ER: Posttraumatische Belastungsstörung - Leitlinieund Quellentext. 2. Auflage, Schattauer-Verlag, Stuttgart, New York2004 )